Gemeinschafts-BHKW: Ein Projekt des Initiativkreises der Stadtwerke Nordbayern

Eingestellt am 30. Aug 2013 • Kategorie: Sonstige News • 1.436 Ansichten

Martin Pittroff und Heinrich Leopold sind Nachbarn – Nachbarn, die gemeinsam an dem Projekt Gemeinschafts-Blockheizkraftwerk, kurz “Gemeinschafts-BHKW”, mitwirken und mit gutem Beispiel vorangehen. In Pittroffs Keller steht ein Mini-BHKW, das die Nachbarn heute gemeinsam nutzen. Und damit sind die Beiden mehr als zufrieden. Martin Pittroff: “Ich würde alles noch einmal genauso machen”. Unterstützt wird diese “Zusammenarbeit” von einem Initiativkreis der Stadtwerke Nordbayern aus Oberfranken.

Martin Pittroff hat sich bewusst für das BHKW entschieden, denn als Fachkaufmann für Kraft-Wärme-Energiesysteme, weiß er, wovon er spricht: „Energieerzeugung im Eigenheim ist so vielseitig und gleichzeitig auf breiter Basis ein Gewinn für Nutzer und Umwelt.“ Das gemeinschaftlich genutzte BHKW steht stellvertretend für die Energiewende im eigenen Keller. Das bedeutet nicht nur, dass die Stromkosten sinken, sondern auch, dass durch die effiziente parallele Erzeugung von Wärme und Strom Rohstoffe eingespart werden können. Der überschüssige Strom wird weiterhin wieder ins Netz eingespeist und dementsprechend vergütet – eine Win-Win-Win-Situation.

Von außen normale Einfamilienhäuser, drinnen steckt innovative Technik, die die Umwelt und den Geldbeutel schont.Lohnt der Einsatz eines BHKW für Einfamilienhäuser?

Das Mini-BHKW kann dank einer Leistung von elektrischen 5,5 kW und thermischen 12,5 kW bis zu drei Häuser aus eigener Kraft versorgen. Der Betrieb erfolgt mit Erdgas und Heizöl und kann bis zu 20 Jahre anhalten – voraussetzt, das Mini-BHKW wird regelmäßigen Wartungen unterzogen.

Der Einsatz in den Häusern von Familie Pittroff und Leopold ist ein Novum, denn bisher war der Einsatz wenig wirtschaftlich, da der Verbrauch eines Einzelhauses einfach zu gering war – das galt selbst für die noch kleinere Variante des Mikro-BHKW. Lediglich in Altbauten, die aufgrund der schlechteren Isolierung mehr Energie verbrauchen, könnte sich der Einsatz lohnen. “Die Frage der optimalen Auslastung war auch für mich der Knackpunkt”, sagt Martin Pittroff. Da vor allem die Anschaffungskosten für ein Mini-BHKW vergleichsweise hoch sind, muss die Auslastung möglichst hoch sein, um eine schnelle Amortisation zu erreichen.

Mini-BHKW optimal nutzen – durch Teilen

Eine optimale Auslastung beziehungsweise Nutzung der Kraft eines Mini-BHKWs ist mit nur einem Eigenheim schwer zu erreichen. Für Pittroff war die Lösung deshalb klar: Pittroff stellte Familie Leopold, die nebenan wohnen, seine Idee und die Vorteile eines Mini-BHKW vor – und konnte überzeugen. Das Blockheizkraftwerk steht zwar in Pittroffs Keller, eine Nahwärmeleitung verbindet dieses jedoch gleichzeitig mit seinen Nachbarn, sodass auch die von der Leistung profitieren.

Für die Einrichtung eines Mini-BHKW muss jedoch eine Investition getätigt werden. Die Kosten für das Gemeinschafts-BHKW und die Inbetriebnahme, also Installation, Messeinrichtungen, Pufferspeicher etc., kosteten die Parteien insgesamt 30.000 Euro. Mittlerweile läuft das geteilte Kraftwerk seit einem Jahr und deckt den kompletten Bedarf an Strom und Wärme beider Familien. Gleichzeitig heizt es auch noch den Speicher für Brauchwasser (1.000 Liter) auf. Eine kleine Signallampe zeigt den Familien zusätzlich an, wann das Kraftwerk arbeitet und Eigenstrom produziert – so kann die Inbetriebnahme von “Stromfressern”, beispielsweise Trockner zum richtigen Zeitpunkt abgepasst werden, um die Kosten noch weiter zu senken.

Produzieren Strom und Wärme selbst (v.r.): Martin Pittroff, Ingrid und Heinrich Leupold, Anja Pittroff und die Töchter Johanna und Lina.Förderung durch Staat und Industrie

Für die Anschaffung und den Betrieb eines eigenen Mini-BHKW ist heute der perfekte Zeitpunkt. Aufgrund des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes, kurz KWK-Gesetz, wird der Strom des Mini-BHKW mit 5,41 Cent pro Kilowattstunde gefördert – überschüssiger Strom wiederrum wird vom Netzeigentümer vergütet.

Neben dem Betrieb ist auch die Anschaffung selbst nicht alleine zu tragen. Auch hier springt die Bundesregierung ein: Abhängig von der Größe des BHKWs kann der Bürger eine Bezuschussung von bis zu 3.500 Euro beantragen. Die Industrie kommt ebenfalls zu Hilfe: Die Licht- und Kraftwerke Helmbrechts (LuK), die ebenfalls Mitglied im Initiativkreis sind, fördern den Kauf von Blockheizkraftwerken, die mit Erdgas betrieben werden, mit einem Betrag von 2.000 Euro. “Die BHKWs sind auch für uns als örtliche Versorger und Lieferanten von Primärenergie eine echte Zukunftstechnologie. Sofern die Parameter stimmen, gibt es neben der Kraft-Wärme-Kopplung kaum eine bessere Möglichkeit, die Energiewende zu Hause umzusetzen!”, sagt Stephan Pröschold, Sprecher des Initiativkreises Stadtwerke Nordbayern.

Mini-BHKWs zeigen schon heute, dass die Energiewende zuhause beziehungsweise im Keller in die Tat umgesetzt werden kann. Die zahlreichen Zuschüsse erleichtern den Einstieg zusätzlich, um selbst Energie zu produzieren und so den Geldbeutel und die Umwelt zu entlasten.

Fotos: Initiativkreis Stadtwerke Nordbayern


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